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Raufen was das Zeug hält

Hier sehen Sie Bilder der Flachsernte im Niederrheinischen Freilichtmuseum. Die Diashow lässt sich anhalten und durch einen Klick auf das Bild gelangen Sie zur Bildergalerie. Dort können Sie die Bilder auch herunterladen. Sollten Sie die Diashow nicht sehen, so folgen Sie bitte diesem Link.

Muntere Flachsernte im Freilichtmuseum

"Faserleinen soll am 100. Tag im Jahr ausgesät werden. Es braucht 100 Sonnenstunden, bis die Pflänzchen zu sehen sind. Danach sind es bis zur Ernte noch 100 Tage." Textilingenieur Walter Tillmann (83) nimmt ein Bündel Flachs in die Hand und hält es Annis entgegen. Der Sechsjährige kennt die Flachsverarbeitung zwar schon aus dem Bilderbuch. Hier, auf dem 1000 Quadratmeter großen Flachsfeld des Niederrheinischen Freilichtmuseums, lernt der Grefrather aber noch eine Menge dazu. Und hat wie alle Jungs Spaß beim Raufen. Diesmal bezieht sich das aber nicht auf ein kleines Handgemenge unter Gleichaltrigen. "Unter Raufen versteht man in der Webersprache das Ernten von Flachs", erklärt Walter Tillmann.

Die Flachsernte wie anno dazumal stand nun im Niederrheinischen Freilichtmuseum auf dem Plan. Ein Team des Hinsbecker Textilmuseums "Die Scheune" mit Walter Tillmann an der Spitze ist die 9,4 Kilometer nach Grefrath rübergefahren und nutzt das naturnahe Gelände des Freilichtmuseums in der Nähe des Eissportzentrums für die Aktion.

Heimatkundlicher Unterricht unter freiem Himmel

Erfreulich: Rund 60 kleine und große Erntehelfer haben sich eingefunden und sind mit Feuereifer bei der Sache. Hier und dort unterbricht Walter Tillmann die Rauferei und gibt heimatkundlichen Unterricht. Mal ein Bonmot aus der großen Zeit der niederrheinischen Textilindustrie; mal ein Hinweis über das Wachsen und Gedeihen des Flaches; mal ein Fingerzeig, wie man handgerecht an die Halme rangeht und sich das Produkt aus Mutter Erde zunutze macht.

Denn schließlich, so Tillmann, sollen aus den Pflanzen in mehreren Schritten Garne und Stoffe werden. Am 17. April hatte sich eine Handvoll Helfer auf dem Dorenburg-Feld an die Aussaat gemacht und den Samen ins Feld gestreut. Auch sie überzeugten sich jetzt davon, dass in der Nähe des Bienenhauses bereits prächtige Pflanzen gewachsen sind. "Die kalte Witterung im April und das heiße Wetter im Juni, Juli haben aber dafür gesorgt, dass die Stängel unter dem Wachstum geblieben sind", so Tillmann. 10 bis 15 Zentimeter braucht es noch - dann ist Zeit der Reife.

Der Samen wird in der Schrofmühle zu Leinöl

Von der Pflanze zum Bast zum Garn - diesen Prozess bekommen die Besucher in der Dorenburg anschaulich dargestellt vom Hinbecker Scheune-Team. Aber auch eine zweite Verwendung des Flachses bleibt nicht im Verborgenen. Tillmann: "Nach dem Trocknen und Dreschen wird der Samen in der Wegberger Schrofmühle zu Leinöl produziert."