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Neuordnung des Rettungswesens

Unsere Aufgabe als Kreis

Der Kreis Viersen ist Träger des Rettungsdienstes im Kreis Viersen. Unsere Aufgabe als Kreis ist es, Notfallpatienten bestmöglich zu versorgen. Das wichtigste Kriterium dabei: Notarzt und Notfallsanitäter müssen so schnell wie möglich vor Ort sein.

Warum beschäftigt sich der Kreis mit dem Rettungsdienst?

Wir haben erkannt, dass wir ein Problem haben: Bis jetzt richtete sich der Blick immer aus Sicht der Städte- und Gemeindegrenzen auf die Planungen, daraus entstanden Rettungswachenbereiche bezirke, in denen dann die Patienten versorgt wurden.

drei Pfeile mit Beschritung

Für die acht Standorte der Rettungswachen werden immer mehr Fahrzeuge und Personal gebraucht, um die Hilfsfristen einzuhalten. Dennoch werden inzwischen in einigen Bereichen die Hilfsfristen nicht mehr eingehalten. Sie liegen im städtischen Bereich bei acht Minuten, im ländlichen Bereich bei 12 Minuten.
Deshalb hat der Kreis auf Grundlage eines Antrags der Fraktionen von CDU, SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP bei dem renommierten Planungsbüro FORPLAN Dr. Schmiedel GmbH in Bonn eine Untersuchung / Gutachten in Auftrag gegeben.

Karte: Versorgungsbereiche der Rettungswachen

Untersuchung

Das Planungsbüro FORPLAN dreht die Perspektive um: Es sieht sich zunächst die Patienten an und stellt die Frage: Wo muss ich die Rettungswachen platzieren, um die 300.000 Bürgerinnen und Bürger im Notfall möglichst schnell zu erreichen? Die Philosophie dahinter: Not kennt keine Grenzen, dann sollten es die Rettungswege auch nicht. Deshalb ist das allererste Kriterium im Sinne der Notfallpatienten: Die kürzeste Fahrzeit bestimmt die Standorte der Rettungswachen.

drei Pfeile mit Beschritung

Die Untersuchungsergebnisse

Hilfsfristüberschreitung:

Eine wichtige Erkenntnis dieser Betrachtungsweise aus dem Blickwinkel der Patienten ist: Die Überschreitung der Hilfsfrist hängt nicht mit der Entfernung von der Wache zusammen.

Karte: Hilfsfristüberschreitungen im Rettungswesen

Vereinfacht gesagt: Wer 100 Meter von der Wache entfernt wohnt, wartet unter Umständen länger auf den Rettungswagen als jemand, der sechs Kilometer entfernt wohnt. Der Grund liegt darin, dass die Rettungswagen oft unterwegs sind - und nicht in der Wache stehen.

Die Aufgabe für die Planer kann aus Patientensicht deshalb nur lauten:
Die Rettungswagen müssen strategisch so verteilt werden, dass sie sich gegenseitig ergänzen können.

  • Hilfsfristen
    Der Gesetzgeber hat für NRW keine Hilfsfristen definiert. Die anerkannten Hilfsfristen von 8 Minuten im städtischen und 12 Minuten im ländlichen Bereich basieren auf Empfehlungen eines Expertengremiums auf Landesebene.

    Die Hilfsfrist beginnt, wenn der Disponent in der Leitstelle im Rahmen der Standardabfrage entscheidet, dass ein Rettungswagen (ggf. mit Notarzt) ausrücken muss. Sie endet, wenn der erste Rettungswagen oder Notarztwagen am Einsatzort eintrifft.

    Im städtischen Gebiet erreichen 82,3 Prozent der Rettungswagen innerhalb der vorgegebenen 8 Minuten den Einsatzort - vorgeschrieben sind 90 Prozent.
    Im ländlichen Gebiet erreichen 91,6 Prozent der Rettungswagen innerhalb der vorgegebenen 12 Minuten den Einsatzort. Die vorgeschriebene Quote von 90 Prozent wird also mehr als erreicht. Die Hälfte der Patienten erreicht der Rettungsdienst auch hier in spätestens 8 Minuten.

Erreichbarkeit von den aktuellen Rettungswachen

Schon bei der theoretischen Berechnung der Fahrzeiten zeigt sich: Teile von Tönisvorst und Viersen sind für die Rettungswagen nicht schnell genug erreichbar.

Karte: Erreichbarkeiten innerhalb von 8 Minuten aus den bestehenden Rettungswachenstandorten

So wird die Erreichbarkeit ermittelt

Die Gutachter greifen nicht auf Zeitmessungen in Navigationsgeräten oder Routingprogrammen zurück, sondern messen die Fahrtzeiten bei Testfahrten mit Blaulicht und Martinshorn. Nur so lassen sich realistische Werte ermitteln. Die Testfahrten über 365 Kilometer im Kreis Viersen berücksichtigen eine Verkehrslage mit Berufsverkehr.

Einsatzdienst

Auffällig ist, dass in der Leitstelle häufig Rettungswagen oder Krankentransportwagen abgemeldet werden. So waren im Jahr 2017 Rettungsfahrzeuge in 74 Fällen rund 757 Stunden nicht besetzt. Diese fehlenden Kapazitäten müssen dann von benachbarten Rettungswachen ausgeglichen werden.

Das Problem setzt sich fort: Allein in den ersten zwei Monaten des Jahres 2018 waren Fahrzeuge bereits 259 Stunden nicht besetzt, was hochgerechnet einem Jahreswert von 1.550 Stunden entspricht (plus 200 %).

Standort des Notarztes

In Kempen sind Notarzt und Notarzt-Einsatzfahrzeug mit Fahrer nicht am selben Standort untergebracht. Auch dadurch verlängert sich die Hilfsfrist. Eine solche Trennung ist auch in der Stadt Willich geplant.

Perspektive Notfall-Aufkommen

Ältere Menschen brauchen häufiger die Hilfe des Rettungsdienstes als jüngere Menschen. Deshalb bringt das zunehmende Durchschnittsalter im Kreis Viersen mittel- und langfristig mehr Einsätze mit sich.

Bis 2022 wird die Zahl der Notfälle um 6,02 % steigen, bis 2027 sogar um 11,35 %.

Die Zahl der Krankentransporte wird bis 2022 um 9,57 % steigen, bis 2027 um 18,92 %.

Diese zunehmende Zahl bringt mit sich, dass in den nächsten Jahren alleine aufgrund der Bevölkerungsentwicklung 6 weitere Rettungswagen mit entsprechendem Personal gebraucht werden. Hierfür gibt es zurzeit keine ausreichend großen Wachen.

Ergebnisse

Verteilung der Rettungswachen

Bei der Neuverteilung der Rettungswachen hat nur eine Frage eine Rolle gespielt: Wie können die Rettungswachen verteilt werden, dass keine Versorgungslücken entstehen?

  • Die Rettungswachen Kempen, Niederkrüchten, Viersen und Willich bleiben am derzeitigen Standort.
  • Die beiden Nettetaler Rettungswachen in Lobberich und Kaldenkirchen werden am Standort Nettetal-Gier zusammengefasst. Von dort sind sowohl Kaldenkirchen als auch Lobberich in 8 Minuten erreichbar.
  • Die Rettungswache Willich-Anrath wird nach Vorst verlegt. Von dort aus sind sowohl St.Tönis und Vorst, als auch Anrath und Oedt in 8 Minuten Hilfsfrist erreichbar.
  • Die RW in Schwalmtal-Waldniel wird nach Dülken verlegt, damit Dülken und Schwalmtal in 8 Min. versorgt werden können.
Karte: Soll-Konzept Rettungswachen

Notarzt-Standorte

Im Kreis Viersen sollten Notarzt und Notarzt-Einsatzfahrzeug grundsätzlich am selben Ort untergebracht sein.

Umsetzung

Der Verantwortung für eine optimale Versorgung durch den Rettungsdienst will der Kreis sich seiner Verantwortung stellen.

Die Abgrenzung der Versorgungsbereiche nach Erreichbarkeit ist der einzig gangbare Weg aus Sicht der Notfallpatienten. Die Patienten oder ihre Angehörigen werden am Ende aber nur eine Frage stellen: Waren Rettungswagen und Notarzt schnell genug bei mir? Dieser Verantwortung stellen wir uns!

Wie geht es weiter?

Das Gutachten wird zunächst mit den Verwaltungen und politischen Gremien der Städte und Gemeinden besprochen.

Es werden kurz-, mittel- und langfristige Umsetzungen definiert.

Die vorgeschlagenen Standorte aus dem Gutachten sind bis jetzt rechnerische Standorte. Innerhalb eines bestimmten Umkreises werden in einem zweiten Schritt konkrete Standorte gesucht.

Für neue Standorte lassen sich zunächst auch Übergangslösungen finden.

Gibt es bei der neuen Struktur „Verlierer"?

Nein, kein Notfallpatient im Kreis Viersen muss in Zukunft schlechtere Hilfsfristen befürchten. Im Gegenteil, es gibt Gewinner: Die Rettungswachen werden so angeordnet, dass „Löcher" in der Erreichbarkeit gestopft werden und Hilfsfristüberschreitungen deutlich verringert werden.

Eine Frage wird in Zukunft aber keine Rolle mehr spielen: „Aus welcher Gemeinde kommt mein Rettungswagen?" Auch wenn die Rettungswache vor Ort traditionell ein wichtiges Symbol für die Versorgungssicherheit ist, sieht die Realität anders aus. Hier zählt nur die Hilfsfrist. Sie wird sich verbessern.

Wer finanziert Fahrzeuge, Personal und den Neubau von Rettungswachen?

Der Rettungsdienst wird komplett von den Krankenkassen finanziert. Weder die Städte und Gemeinden noch der Kreis müssen dafür auf Haushaltsmittel zurückgreifen. Die Kosten für den Bau der Rettungswachen, für die Fahrzeuge und das Personal refinanzieren sich also. Der Umfang, der Standard und die Struktur des Rettungsdienstes werden im Rettungsdienstbedarfsplan festgelegt. Er wird nach vorheriger Zustimmung der Krankenkassen vom Kreistag beschlossen.

Eine Rettungswache (Schwalmtal) wird vom Kreis betrieben, die anderen von den Städten. Sie haben den Notarztbetrieb wiederum über Ausschreibungen und Verträge an Dritte (z. B. Krankenhäuser) vergeben.

Wird es bald leer stehende Rettungswachen geben?

Nein, für nicht mehr notwenige Rettungswachen lassen sich Nachfolgenutzungen finden - zum Beispiel als Standort für Krankentransportwagen bzw. Ersatzfahrzeuge.