. . . . .

Suche

 

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

drei Personen mit AusstellungsstückenInmitten historischer, niederrheinischer Hochzeitskleidung (v.l.): Kreisdirektor und Kulturdezernent Ingo Schabrich, Museumsleiterin Anke Petrat und Kuratorin Dominique Walraevens. Foto: Kreis Viersen

Das Anstecken der Ringe, der erste Kuss nach dem „Ja“ und das Werfen des Brautstraußes: Dies sind nur drei der nahezu unzähligen Bräuche rund um die formelle Eheschließung. Das Niederrheinische Freilichtmuseum des Kreises Viersen widmet dem „schönsten Tag im Leben“ mit all seinen Facetten eine Sonderausstellung. „Drum prüfe wer sich ewig bindet – eine Kulturgeschichte der Hochzeit im Wandel der Zeit“ ist vom 11. November bis 3. Februar zu sehen in den Ausstellungsräumen der Dorenburg, Am Freilichtmuseum 1 in Grefrath. Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos. Die Gäste bezahlen allein den regulären Museumseintritt.

Das Thema Hochzeit wurde bereits in mehreren Ausstellungen im Niederrheinischen Freilichtmuseum am Rande erwähnt. Doch zum ersten Mal widmet sich eine Ausstellung allein diesem Thema. Es sei an der Zeit, sich intensiver mit der Eheschließung am Niederrhein zu befassen, sagt Kreisdirektor und Kulturdezernent Ingo Schabrich. „Gleich drei Gründe machen das Thema so spannend: Zum einen ist es ein wichtiges Ereignis im Leben. Zweitens gibt es viele Bräuche, Rituale und Aspekte zu untersuchen. Und drittens ist es interessant zu sehen, wie sich Hochzeiten im Laufe der Jahrhunderte verändert haben.“

„Wir nehmen die Besucher mit auf eine Reise in die Welt der Hochzeiten früher und heute“, sagt Dominique Walraevens. Die wissenschaftliche Volontärin des Freilichtmuseums hat mit „Drum prüfe wer sich ewig bindet“ ihre erste Ausstellung kuratiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Geschichte der bäuerlichen Gesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts. Immer wieder zieht die Ausstellung Vergleiche in die heutige Zeit. Zu sehen sind rund 150 Exponate. Ältestes Ausstellungsstück ist eine Erstausgabe von Martin Luthers Werk „Vom ehelichen Leben“ aus dem Jahr 1522. Einige Exponate stammen aus dem Museumsbestand. Die meisten sind Leihgaben der Menschen vom Niederrhein.

„Natürlich gibt es bei diesem Thema einige schöne und rührende Geschichten zu den Ausstellungsstücken“, sagt Museumsleiterin Anke Petrat. Wie die Geschichte zu einem Brautkleid aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, in dem gleich sieben Bräute aus Mönchengladbach geheiratet haben.

Die Ausstellung umfasst drei Räume. Im ersten geht es um die Zeit vor der Hochzeit: Ums Kränzen der Haustüre, die Verlobung und das Kennenlernen des späteren Partners.

Kinder werden zudem Spaß an der Vogelhochzeit haben: Entlang der einzelnen Strophen sind die unterschiedlichen Aspekte der Hochzeitsfeier kindgerecht auf ihrer Augenhöhe dargestellt. Zudem können die Besucher in der Ausstellung mehrere Schleier lüften. Darunter verbergen sich keine Bräute, sondern interessante Fakten und Wissenswertes zur Hochzeit.

Im zweiten Raum geht es um den Tag der Eheschließung. Historische Ringe sind ebenso ausgestellt wie ein Aussteuerschrank. Ein Tanzboden samt Musik lädt in der Ausstellung zum Walzertanzen ein. Eines der ältesten Ausstellungsstücke ist das Grefrather Kirchenbuch von 1683. Darin sind die Eheschließungen der Jahre 1683 bis 1796 vermerkt. Ein Hingucker sind die zwölf Hochzeitsroben: Drei Kombinationen für den Bräutigam und neun Kleider aus den Jahren 1900 bis 1999 sind zu sehen.

Der dritte Raum ist der Zeit nach der Hochzeit gewidmet. Bevor Fotografien die breite Bevölkerung erreichten, erinnerten so genannte Kastenbilder an den Hochzeitstag. Dies waren dreidimensional gestaltete Holzrahmen mit den Namen, Hochzeitsdatum, einem Segensspruch und einem Myrtenkranz.

Auch die Hochzeitsreise findet seinen Platz. Das frischgebackene Ehepaar Langen aus Mönchengladbach brachte beispielweise von den Flitterwochen, die von Süddeutschland über die Schweiz nach Venedig führte, nicht nur ein kleines Reisetagebuch mit an den Niederrhein, sondern auch eine beeindruckende Bonboniere.

Die Ausstellung schließt mit den Ehejubiläen: der Silbernen, Goldenen und Diamantenen Hochzeit. Ausgestellt ist etwa ein Silberhochzeitskleid.