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Breitbandkoordination

Der Kreis Viersen bündelt die Breitbandkoordination für alle neun kreisangehörigen Kommunen auf Kreisebene. 2018 wurde extra ein neues Amt für digitale Infrastruktur und Verkehrsanlagen geschaffen, welches sich neben dem geförderten Festnetzausbau auch mit Mobilfunk und IoT- Funknetzausbau beschäftigt. Der Kreis Viersen will in enger Zusammenarbeit mit den neun kreisangehörigen Städten und Gemeinden die Gigabitstrategie des Bundes umsetzen. Eines der größten Förderprojekte wurde Anfang 2022 erfolgreich umgesetzt. Mit dem geförderten Ausbau der „Weißen Flecken“ im Kreisgebiet wurden knapp 4000 Adressen, die weniger als 30 Mbit/s zur Verfügung hatten, an ein Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen. Hierfür wurden rund 1.500 Km Glasfaserkabel in die Erde gebracht. Das Projekt hatte ein Fördervolumen von rund 43 Millionen Euro.

Die Bundesregierung möchte bis Ende 2030 in allen Wohneinheiten Glasfaser bis Gebäude ermöglichen. Zu diesem Zweck wurde das bestehende Förderprogramm um eine weitere Ausbaustufe erweitert. Mit dem sogenannten „Graue Flecken Programm sollen alle Adressen von einem geförderten Ausbau profitieren, die derzeit über keinen Glasfaseranschluss oder Kabelanschluss verfügen. Der Förderaufruf wird voraussichtlich Anfang oder Mitte 2023 erwartet. Hier bereitet sich der Kreis bereits intensiv vor. 

Privatwirtschaftlicher Ausbau im Kreisgebiet - Stand März 2022

Im Kreis Viersen gibt es hauptsächlich 3 Provider mit vorhandener, flächendeckender Infrastruktur. Neben Deutsche Telekom sind noch die Vodafone und die Deutsche Glasfaser mit ihren Produkten vertreten. Die Deutsche Telekom hat das Kreisgebiet weitestgehend mit ihrer neusten VDSL-Technik erschlossen, diese Technik ist auch unter dem Namen Vectoring bekannt. Geographisch konzentriert sich die Deutsche Telekom für diesen Ausbau auf größere Ballungsgebiete im Kreis, abgelegene und zu ländliche Gebiete profitieren zumeist nicht von diesem Ausbau. Die Übertragungstechnik basiert auf einer Kombination aus Glasfaserleitungen und alten vorhandenen Kupferadern. Verteilerstationen am Straßenrand werden mit sogenannter aktiver Technik ausgestattet und mit Glasfaser angebunden. Die letzte Meile zu den Häusern wird weiterhin über die vorhandene Kupferleitung realisiert. In Fachkreisen spricht man von einem sogenannten FTTC (Fibre to the curb) – Ausbau. Mit Vectoring erreicht man maximal Downloadraten bis zu 250 Mbit/s. Diese Übertragung ist allerdings reichweitenabhängig und ein shared Produkt, d.h. mehrere Kunden müssen sich die zur Verfügung gestellte Bandbreite bei zeitgleicher Nutzung teilen.

Abbildung: Vorteile des Glasfaseranschlusses: schnell, schneller, Glasfaser

Das Unternehmen Deutsche Glasfaser hat bereits ein flächendeckendes Glasfasernetz in den drei Westgemeinden Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal realisiert. Bis zum Ende 2022 hat das Unternehmen eine weitere Ausbaustufe angekündigt. Nach Fertigstellung sind diese Gemeinden dann fast flächendeckend mit Glasfaser erschlossen. Ähnliches gilt für die Gemeinde Grefrath. Auch dort ist ein flächendeckender Ausbau mit Glasfasertechnik geplant. Einige Gewerbegebiete wie Münchheide und Stahlwerk Becker in Willich, Tempelshof in Tönisvorst und das Gewerbegebiet Ost in Kempen sind bereits mit Glasfasertechnik der Deutschen Glasfaser erschlossen. Das Unternehmen befindet sich in den übrigen Kommunen in einer Akquisephase. Diese sieht dort einen eigenwirtschaftlichen Ausbau vor, wo genügend Vorverträge abgeschlossen worden sind. Anders als beim Ausbau der Deutsche Telekom, wird hier tatsächlich die Glasfaser bis ins Haus gelegt. In Fachkreisen spricht man von einem FTTH (Fibre to the home) – Ausbau. Somit sind theoretisch Übertragungsraten von mehreren Terabit/s möglich. Diese Übertragungstechnik ist reichweitenunabhängig und in Point to Point (ptp) Architektur dediziert ausgelegt, d.h. jeder Kunde bekommt eine festzugesicherte Bandbreite.

Abbildung: So kommen die Daten ins Haus

Das Unternehmen Vodafone bietet seine Dienstleistung basierend auf dem verfügbaren Kabelnetz oder auf dem Netz der Deutschen Telekom an. Das Kabelnetz wurde ursprünglich von der Deutschen Bundespost für den Fernsehempfang konzipiert. Damals hat man nicht daran gedacht, dass dieses Netz in der Zukunft für eine Internetübertragung genutzt werden könnte. Seit etwas über 15 Jahren bieten Dienstleister Internetprodukte über das Kabelnetz an. Für einen ländlich ausgeprägten Kreis hat der Kreis Viersen ein vergleichsweise großes Kabelnetz. Im Jahr 2017 wurde der Ortsteil Elmpt in Niederkrüchten komplett neu mit Kabel versorgt. Ein weiterer Ausbau in dieser Größenordnung ist allerdings für die nächsten Jahre für den Kreis Viersen nicht zu erwarten, lediglich größere Neubaugebiete könnten zusätzlich mit Kabelnetz erschlossen werden. Das Unternehmen investiert hauptsächlich in die Modernisierung des Bestandnetzes. Die Übertragung erfolgt über das bestehende Coax-Kabelnetz. Der zugrundeliegende Standard heißt DOCSIS. In der aktuellen Version 3.0 kann diese Technik bis zu 400 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload erreichen. Die Vodafone möchte bis Ende 2025 ihren neuen Standard DOCSIS 3.1 komplett ausgerollt haben. Einige Teilbereiche im Kreisgebiet profitieren heute schon von dem neunen Standard. In der neusten Version sind Übertragungsraten bis zu 1 Gbit/s möglich, allerdings ist diese Übertragungstechnik auch reichweitenbegrenzt und ein shared Produkt. In Fachkreisen bezeichnet man die Ausbauvariante wie bei der Telekom auch als FTTC.

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