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Informationen für Ärztinnen und Ärzte

Landrat Dr. Andreas Coenen

Liebe Ärztinnen und liebe Ärzte im Kreis Viersen,

das Wissen um eine gesicherte Gesundheitsversorgung ist für uns alle von großer Bedeutung. Mit der aktuellen hausärztlichen Versorgungssituation im Kreis Viersen können wir zufrieden sein. In den kommenden Jahren werden aber einige der hier niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand gehen.

Um die gewohnte Qualität unserer ambulanten medizinischen Versorgung aufrechtzuerhalten, unterstützt der Kreis Viersen Ärztinnen und Ärzte bei der Suche nach einer passenden Praxisnachfolge oder einer Neuanstellung. Gerne möchten wir junge Medizinerinnen und Mediziner dafür gewinnen, sich im Rahmen einer Hospitation persönlich einen Eindruck von der Arbeit und dem Leben im Kreis Viersen zu verschaffen.

Eine Hospitation ist meist mit Kosten verbunden, die zum Beispiel für Anreise und Unterkunft anfallen. Möglicherweise ergeben sich auch Verdienstausfälle. Über die hier vorgestellte Hospitationsförderung bietet der Kreis Viersen eine finanzielle Unterstützung, die von Praxisinhaberinnen und -inhabern für interessierte Hospitantinnen und Hospitanten beantragt werden kann. Ich hoffe, dass Ihnen diese Broschüre eine nützliche Hilfestellung ist.

Wir freuen uns auf engagierte medizinische Nachwuchskräfte im Kreis Viersen.

Ihr Landrat
Dr. Andreas Coenen

Der Kreis Viersen unterstützt Ärztinnen und Ärzte, die an einer Niederlassung, Praxisübernahme oder an einer Anstellung im Kreisgebiet Viersen interessiert sind. Gleichzeitig werden niedergelassene Ärztinnen und Ärzte im Kreis Viersen dabei unterstützt, eine mögliche Nachfolge oder weiteres ärztliches Personal für die eigene Praxis zu finden.

Im Folgenden finden Sie dazu Kontaktangaben zu persönlichen Ansprechpartnern und Hilfestellungen zu Fragen rund um die Niederlassung sowie zu Förder- und Fortbildungsmaßnahmen für Ärztinnen und Ärzte.

Sollten Sie Fragen haben, zu denen Sie auf dieser Internetseite keine Informationen finden, freuen wir uns auf den persönlichen Austausch. Unsere Ärztescoutin – Laura Otten – hilft Ihnen gerne weiter.

Der Kreis Viersen stellt sich vor

Der Kreis Viersen – die familienfreundliche, naturnahe Region am Niederrhein:

Die neun Städte und Gemeinden des Kreises Viersen:

Hospitationsförderung des Kreises Viersen für Ärztinnen und Ärzte

Die ambulante medizinische Versorgungssituation im Kreis Viersen ist aktuell gut. Jedoch sind einige der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen älter als 60 Jahre und werden voraussichtlich in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen und gegebenenfalls eine Praxisnachfolge suchen. 

Der Kreis Viersen unterstützt im Rahmen der Hospitationsförderung Ärztinnen und Ärzte, die an einer Praxisübernahme oder der Anstellung in einer kassenärztlichen Praxis im Kreisgebiet Viersen interessiert sind und dazu eine Hospitation planen. 
Im Rahmen einer Praxishospitation ist es möglich: 

  • umfassende Informationen und Einblicke zum Arbeitsalltag in einer kassenärztlichen Praxis zu erhalten, 
  • Informationen über den Patientenstamm zu bekommen, 
  • das Praxisteam, die Praxisräume und das ggf. zukünftige Arbeitsumfeld kennenzulernen, 
  • die Region zu entdecken. 

Der Kreis Viersen stellt dafür Fördermittel zur Verfügung, die von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten mit kassenärztlicher Praxis im Kreisgebiet Viersen für die Hospitantin oder den Hospitanten in ihrer Praxis beantragt werden können. 
Neben möglicherweise anfallenden Kosten für An- und Abreise, Unterkunft und Verpflegung können so auch Kosten für Verdienstausfälle aufgefangen werden.

Förderung
  • 2.000,00 € pro Woche (5 Werktage) je Hospitantin/Hospitant
  • Mindestdauer der Hospitation: 1 Woche (5 Werktage)
  • Förderhöchstdauer der Hospitation: 4 Wochen je Hospitantin/Hospitant
  • Maximale Gesamtsumme pro Hospitantin/Hospitant 8.000,00 € bei 4 Wochen und jeweils 5 Werktagen
Fördervoraussetzungen
  • Die Förderung kann von niedergelassenen kassenärztlichen Praxen beantragt werden, die ihren Sitz im Kreis Viersen haben.
  • Die antragstellende Praxis muss entweder eine zeitnahe Neuanstellung oder eine Praxisübergabe innerhalb der nächsten drei Jahre planen.
  • Ziel der Hospitation muss es sein, dass ein Arzt-Sitz übernommen oder neu vergeben wird.
  • Die Hospitationszeit muss zusammenhängend sein und mindestens eine Dauer von einer Woche (5 Werktage) umfassen.
  • Zwischen Praxisinhaber/Praxisinhaberin und Hospitant/Hospitantin muss eine Hospitationsvereinbarung geschlossen und der Antragstellung beigefügt werden (siehe Antragsunterlagen).
Praxisinhaberin/ Praxisinhaber
  • Der Praxisinhaber/die Praxisinhaberin muss während der Hospitation in der Praxis anwesend sein und den Hospitanten/die Hospitantin persönlich betreuen.
  • Der Praxisinhaber/die Praxisinhaberin übernimmt die volle rechtliche sowie fachliche Verantwortung für die Umsetzung und Gestaltung der Hospitation.
  • Er/Sie ist verpflichtet, nach Beendigung des Hospitationszeitraumes über die Hospitation und die Entscheidung der Hospitantin/des Hospitanten einen schriftlichen Bericht beim Gesundheitsamt des Kreises Viersen (Ärztescout - Geschäftsstelle der Kommunalen Gesundheitskonferenz) einzureichen.
Hospitantin/ Hospitant
  • Die Hospitantin/der Hospitant muss alle formalen Voraussetzungen für die Anstellung als Ärztin/Arzt oder die Übernahme der antragstellenden Praxis erfüllen.
  • Eine Approbation als Ärztin oder Arzt muss nachgewiesen werden.
  • Die Hospitantin/der Hospitant darf nicht bereits bei der Praxisinhaberin/dem Praxisinhaber beschäftigt sein.
Antragstellung und Antragsunterlagen

Die Fördermittel sind schriftlich zu beantragen bei der

Kreisverwaltung Viersen
Gesundheitsamt
53/1 Kommunale Gesundheitskonferenz
Laura Otten
Rathausmarkt 3
41747 Viersen

Dem Anschreiben zum Versand der Unterlagen an den Kreis Viersen sind folgende Unterlagen beizufügen:

  1. ausgefüllter und unterzeichneter Antrag auf Gewährung von Fördermitteln
  2. ausgefüllte und unterzeichnete Hospitationsvereinbarung zwischen Praxisinhaberin/Praxisinhaber und Hospitantin/Hospitant, inkl. Ermächtigung
  3. je eine unterzeichnete Datenschutzvereinbarung von Praxisinhaberin/Praxisinhaber und Hospitantin/Hospitant
  4. Motivationsschreiben der Hospitantin/des Hospitanten
  5. Lebenslauf der Hospitantin/des Hospitanten
  6. Kopie der Approbationsurkunde der Hospitantin/des Hospitanten

Nach schriftlicher Antragstellung werden die Voraussetzungen eingängig und auf den Einzelfall bezogen anhand der eingereichten Unterlagen geprüft. Die Förderung wird nach abgeschlossener Hospitation direkt an den Hospitanten/die Hospitantin ausgezahlt.

Die finanzielle Förderung muss für jede Hospitation gesondert beantragt werden. Der maximale Förderzeitraum von 4 Wochen erhöht sich nicht, wenn in unterschiedlichen Praxen hospitiert wird, ebenso wenig die maximale Fördersumme pro Hospitant/Hospitantin von 8.000,00 €.

Interview mit Dr. Verena Klyn - Die Vereinbarkeit von Beruf & Familie als Hausärztin

Dr. Verena Klyn, Weiterbildungsassistentin in Brüggen

Interview zwischen der Ärztescoutin des Kreises Viersen und Dr. Verena Klyn, Teilnehmerin an der Hospitationsförderung des Kreises Viersen  

In dem Interview spricht unsere Ärztescoutin Laura Otten mit der angehenden Allgemeinmedizinerin Dr.  Verena Klyn über den Hausarztberuf, Perspektiven einer Anstellung und weitere Themen wie die  Hospitationsförderung des Kreises Viersen. Frau Dr. Klyn ist 39 Jahre alt, wohnt mit ihrem Mann und den  drei Kindern in Schwalmtal, befindet sich im dritten Jahr der Facharztausbildung zur Allgemeinmedizinerin  und ist zurzeit als Weiterbildungsassistentin in einer Gemeinschaftspraxis angestellt. 

1. Warum möchten Sie Hausärztin werden? Was hat Sie dazu bewegt? 

Ich finde es toll, Menschen, die aus welchen Gründen auch immer zu mir kommen, über die Jahre besser  kennenzulernen. Ich glaube, dass es viele Krankheiten gibt, bei denen es durchaus wichtig ist, seine  Patientinnen und Patienten zu kennen. Hiermit meine ich aber nicht den Body-Mass-Index oder den letzten  Blutdruckwert, sondern eben das persönliche „Erleben von Krankheit“. Leider ist es in unserer  hochtechnisierten Medizinwelt so, dass immer mehr Parameter in immer kürzerer Zeit gemessen werden,  aber gleichzeitig immer weniger Raum für das Zwischenmenschliche bleibt. Hier sehe ich meine Chance als  Hausärztin, der Patientin / dem Patienten ein offenes Ohr zu schenken und die individuelle  Lebensgeschichte bei anstehenden Entscheidungen mit zu berücksichtigen.  

2. Wann haben Sie diese Entscheidung getroffen? 

Ich erinnere mich noch sehr genau daran: Ganz zu Beginn des Studiums gab es ein Pflichtpraktikum über 14  Tage, das in einer Hausarztpraxis absolviert werden musste. Für mich war bis zu diesem Praktikum klar, dass  ich in die Anästhesie wollte. Das Praktikum habe ich dann in einer Hausarztpraxis in Schwalmtal absolviert.  Bereits nach wenigen Tagen habe ich gemerkt, dass es mir Spaß macht, auch mal auf ein bekanntes Gesicht  zu treffen, mit dem man nicht nur über das Fachliche spricht. Zudem fand ich es beeindruckend, wie viele  Informationen der Hausarzt über seine Patienten wusste, die nicht in einer Patientenakte stehen. Man kann  einfach eine persönlichere Beziehung zu den Patienten aufbauen. Dies ist in einer Klinik häufig nicht möglich. 

3. Gab es Hürden auf diesem Weg? Wenn ja, welche waren das? 

Als Hürden würde ich es nun nicht bezeichnen, aber in meinem Fall ist es nun mal so, dass ich immer nur  Teilzeit gearbeitet habe und zweimal für jeweils 1,5 Jahre in Elternzeit war. So kommt es dazu, dass ich zwar  2015 mein Medizinstudium abgeschlossen, aber bisher nur 24 Monate der Facharztausbildung absolviert  habe. Einige meiner Studienkolleginnen und -kollegen hingegen haben mittlerweile ihre Facharztprüfung  abgelegt. Sie haben allerdings keine Familie mit drei Kindern. 

4. Wann und wo möchten Sie als Hausärztin tätig werden? 

So schnell wie möglich und definitiv in Wohnortnähe - das ist Schwalmtal und wird sich wahrscheinlich auch  nicht mehr ändern. Ich bin momentan für die Facharztausbildung bei der Gemeinschaftspraxis Dr. med.  Christian Platzer, Dr. med. Boris Tummer und Drs. (NL) Hendrik Jacobi in Brüggen tätig. Hier möchte ich auch  nach meiner Prüfung dauerhaft als Fachärztin für Allgemeinmedizin angestellt bleiben. 

5. Was macht den Kreis Viersen für Sie mit dem Arbeitsort Brüggen und Wohnort Schwalmtal attraktiv?  

Ich bin hier geboren und mag das Leben „auf dem Lande“. In Schwalmtal kennt man sich und gibt  aufeinander Acht. Es gibt viel Natur und weite Felder. Schwalmtal ist meine Heimat. Hier habe ich fast mein  ganzes Leben verbracht und möchte dies auch weiterhin tun.  Brüggen ist meiner Meinung nach ein schönes kleines Örtchen mit netten Geschäften, das nicht umsonst am  Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel ist. 

6. Möchten Sie sich niederlassen oder in eine Anstellung gehen? 

Aktuell ist die Niederlassung keine Option für mich. Zunächst einmal muss ich noch knapp drei Jahre meiner  Facharztausbildung absolvieren, bevor ich mich überhaupt niederlassen könnte. Zudem habe ich drei noch  recht kleine Kinder, mit denen ich Zeit verbringen möchte, sodass eine Anstellung in Teilzeit für mich die  beste Option ist.  

7. Was hat Sie zur Anstellung bewogen? Was hat Ihnen bei der Entscheidung geholfen? 

Wie bereits erwähnt ist der Hauptgrund die Familie. Bis meine Kinder so alt sind, dass ich mich niederlassen  könnte, bin ich mindestens 55 Jahre alt. Das ist mir persönlich zu spät. Wäre diese zeitliche Komponente  nicht, hätte ich mir eine eigene Niederlassung als Hausärztin durchaus vorstellen können.  

8. Man vermutet als junge Ärztin vielleicht, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im  Rahmen einer Niederlassung erschwert ist. Was würden Sie als junge Ärztin und Mutter  dazu sagen?

Ich muss gestehen, dass ich mich mit dem Thema Niederlassung nicht wirklich beschäftigt habe. Eben weil  es zum aktuellen Zeitpunkt keine Option für mich ist und wahrscheinlich auch zukünftig nicht sein wird. Ich  kann mir aber vorstellen, dass es gewisse Hürden geben kann. Eine Niederlassung bedeutet in meinen Augen,  dass eben Vollzeit und gegebenenfalls auch darüber hinaus, gearbeitet werden muss. Zudem wird man viel  Organisatorisches um die Ohren haben. Gerade die Anfangsphase stelle ich mir durchaus stressig vor, wenn  es darum geht, alle Formalitäten zu klären. Wenn man sich jedoch mit oder trotz Familie niederlassen  möchte, denke ich, dass man auch eine Lösung findet. Unterstützung seitens der Familie wird aber sicherlich  benötigt. 

9. Was macht das Anstellungsverhältnis für Sie besonders attraktiv? 

Vor allem die Teilzeitarbeit in Anstellung ist einfacher möglich. In der Klinik musste ich oft einspringen, 24  Stunden Dienste ableisten und Überstunden machen. Als angestellte Ärztin in einer Hausarztprax is habe ich  feste Arbeitszeiten, eine bessere Planbarkeit und keine betriebsorganisatorischen Dinge zu regeln. Dadurch  ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich leichter. Die Anstellung bringt aber noch weitere Vorteile  mit sich. Ich lerne zum Beispiel die wirtschaftlichen Aspekte, wie das Abrechnungswesen, kennen. Dieses  Thema wird im Studium nicht ausreichend vermittelt. In der Arztpraxis wird mir nun alles genauestens  erklärt. 

10. Warum haben Sie an der Hospitationsförderung des Kreises Viersen teilgenommen? 

Für mich war die Hospitationsförderung die ideale Gelegenheit einen tieferen Einblick in die Praxisabläufe  einer Hausarztpraxis zu erhalten. Zudem haben die Kollegen Herr Dr. Platzer, Herr Dr. Tummer und Herr Drs.  (NL) Jacobi und ich uns auch näher kennenlernen können. Eine Zusammenarbeit haben wir schon vorher in  Erwägung gezogen. Es wäre aber bei einer sehr kurzen, wahrscheinlich eintägigen Hospitation geblieben,  wenn es die Möglichkeit der Hospitationsförderung durch den Kreis Viersen nicht gegeben hätte. So konnte  ich mir meiner Entscheidung, bei der Praxis in Anstellung zu gehen, sicher werden.

11. Hat Ihnen die Hospitationsförderung einen Mehrwert gebracht? Wenn ja, in welcher Hinsicht?  

Oh ja!! Ohne die Hospitationsförderung würde ich in dieser Praxis, an diesem Platz heute wahrscheinlich nicht  sitzen. Genau während der Phase meiner Hospitation gab es glücklicherweise eine Anpassung der Förderung  der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin durch die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein, so dass es nun  möglich ist, sogar bis zu 48 Monate gefördert zu werden. Dies hat innerhalb von drei Wochen dazu geführt,  dass ich meine Stelle im Krankenhaus gekündigt habe und nun seit dem 01. April 2022 als  Weiterbildungsassistentin hier in dieser Gemeinschaftspraxis tätig bin. 

12. Wie geht es nun für Sie beruflich weiter? Welche Schritte haben Sie geplant? 

Im Idealfall kann ich die kompletten 36 Monate der Facharztausbildung hier absolvieren. Als Nächstes steht  dann die Facharztprüfung an. Im Anschluss bleibe ich gerne als angestellte Ärztin in der Praxis. 

13. Mit Ihrem Wissen von heute: Was würden Sie Ärztinnen und Ärzten, die mit dem Gedanken spielen Hausärztin/ -arzt zu werden, mit auf den Weg geben? 

Schaut euch das „Hausarztleben“ an! Für junge Medizinerinnen und Mediziner gibt es immer mehr  Möglichkeiten. Es fehlen überall niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte sowie die, die es werden  möchten. So sind bereits neue Wege und Modelle entstanden. Vollzeit muss nicht mehr sein. Es wird  heutzutage viel mehr Flexibilität und eine große Auswahl geboten. Gerade Hospitationen oder Praktika sind  die ideale Gelegenheit, um sich einen intensiven Einblick in das Hausarztdasein sowie in den Praxisalltag zu  verschaffen. Die Hospitationsförderung des Kreises Viersen kann bei der Entscheidung für eine bestimmte  Praxis eine sehr dienliche Hilfe sein. Für mich war dieser Weg die beste Entscheidung! 

Interview mit Harald Hüsgen - Warum sich im Kreis Viersen niederlassen?

Hausarzt Harald Hüsgen aus Willich
Interview zwischen der Ärztescoutin des Kreises Viersen und Herrn Harald Hüsgen, seit 1994 niedergelassener Hausarzt in Willich-Schiefbahn.

In dem Interview spricht unsere Ärztescoutin Laura Otten mit dem Hausarzt Harald Hüsgen aus Willich- Schiefbahn über den Hausarztberuf, die Niederlassung und weitere Themen. Herr Hüsgen kommt ursprünglich aus Schiefbahn und hat sich mit Wohn- und Arbeitsort auch dort niedergelassen. Er ist verheiratet und Vater von sechs Kindern. Im Jahre 1986 hat er seine Approbation als Arzt erhalten und ist ausgebildeter Kinder- und Jugendarzt sowie Allgemeinmediziner. Gleichzeitig ist er Vorstand des Ärztenetz- linker-Niederrhein e.V. sowie im Vorstand der KV-Kreisstelle Viersen tätig und war mehrere Jahre ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht in Düsseldorf. Heute engagiert er sich auch beim Flüchtlingscamp der Stadt Willich.

1. Seit wann sind Sie niedergelassener Arzt im Kreis Viersen?

Ich habe im Januar 1994 ein Grundstück in Willich gekauft und meine Praxis im November 1994 eröffnet.

2. Warum haben Sie sich niedergelassen?

Zum damaligen Zeitpunkt habe ich in einer Klinik gearbeitet. Nachtschicht, Wochenenddienste und 350 Arbeitsstunden im Monat waren Normalität. Ein Großteil meines Lebens fand also in der Klinik – abseits meines privaten Lebens – statt. Das wollte ich ändern und suchte nach einer Alternative. Eine Urlaubsvertretung in einer Kinderarztpraxis sowie die vorübergehende Mitarbeit in einer Hausarztpraxis haben mich letztendlich davon überzeugt, in eine eigene Niederlassung zu gehen. Ursprünglich wollte ich mich als Kinder- und Jugendarzt in Willich niederlassen. Leider war dies nicht möglich, da es zum damaligen Zeitpunkt keinen freien Arztsitz gab, so dass ich mich dann dazu entschlossen habe, eine Praxis als Hausarzt zu eröffnen.

3. Was macht den Kreis Viersen sowie die Stadt Willich als Niederlassungsstandort für Sie attraktiv?

Nachdem ich beruflich fast zehn Jahre fern war hatte ich den Wunsch, wieder in meinen Heimatort Willich zurück zu kehren. Es ist ländlich und trotzdem ist man nahe an den großen Städten wie Mönchengladbach, Krefeld, Neuss und Düsseldorf. Man muss also maximal eine halbe Stunde mit dem Auto fahren und ist mitten in der Stadt, mit Oper, Theater, Kino, Shopping und allem was man braucht. Zweifelsohne sind die ÖPNV-Angebote ausbaufähig. Die Anbindung an die großen Städte wird jedoch durch den Ausbau neuer Verbindungen besser. Schiefbahn selbst ist ein schöner Ort mit zwei der besten Metzgereien, guten Bäckereien und vielen weiteren hochwertigen Einkaufsmöglichkeiten. Hier wohnen außerdem freundliche Menschen aus gut bürgerlichen Verhältnissen mit überdurchschnittlichem Bildungs- und Einkommensniveau. Überhaupt sind „Rheinländer“ fröhliche und verträgliche Menschen – und sie als Patientinnen und Patienten zu betreuen ist eine erbauliche Angelegenheit von Herz und Verstand gleichermaßen. Niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten bietet der Kreis Viersen zudem eine Besonderheit: Die verpflichtende Teilnahme an Notdiensten kann – gegen einen kleinen monatlichen Beitrag – an die Notdienstpraxis abgegeben werden. Das schafft natürlich in diesem Bereich eine Entlastung, welche andere Regionen vielleicht nicht bieten.

4. Was macht Ihren Beruf als Hausarzt aus?

Medizin ist kein Gewerbe. Ärztinnen und Ärzte sorgen sich um eines der höchsten Güter überhaupt: die Gesundheit der Menschen, die sich uns – vor allem uns Hausärztinnen und Hausärzten - anvertrauen. Die Freude daran, mit den Menschen zu leben und der Arzt zu sein, den sie kennen, der für sie da i st, der sie in vielen Lebensfragen berät und begleitet - von Geburt an, über das ganze Leben hinweg, bis hin zum Tod. Das Vertrauen meiner Patienten ist mir gleichermaßen ein Ansporn und Motivation, eine Ehre und eine Pflicht, der ich mich stelle und weit über die „Zulassung“ als kassenärztlicher Vertragsarzt handeln lässt.

5. Was sollte man bei einem Niederlassungsvorhaben aus Ihrer Sicht berücksichtigen? Hatten Sie Unterstützung bei Ihrem Vorhaben?

Für mich ist der Rückhalt und das Einverständnis der Familie der wichtigste Faktor für ein Niederlassungsvorhaben. Standort, Praxiseinrichtung, Gerät oder auch ein bestehender Patientenstamm spielten für mich eine untergeordnete Rolle. Wenn man ein guter Arzt ist und sich einen guten Ruf erarbeitet, dann kommen die Patientinnen und Patienten von ganz allein. Die menschliche Komponente spielt, aus meiner Sicht, die entscheidende Rolle für den Erfolg der eigenen Praxis. Die Gründung meiner Praxis war ein Mammutprojekt. Dies musste ich damals ohne viel Hilfe oder Unterstützung meistern und habe es trotzdem geschafft. Natürlich musste ich die Formalitäten klären und die Voraussetzungen erfüllen, um diese Praxis zu eröffnen. Dazu gehörte, dass ich mich bei der Stadt nach einem Baugrundstück erkundigte, bei der Bank einen Kredit beantragte und mich beim Zulassungsausschuss der KV Nordrhein für den Arztsitz bewarb.

6. Wer sind die wichtigen Ansprechpersonen für dieses Vorhaben?

Ich denke, dass sich junge Medizinerinnen und Mediziner bei verschiedenen Stellen, wie beispielsweise der KV Nordrhein, beraten lassen sollten. Als Ansprechpartner beim Kreis Viersen gibt es nun auch die Ärztescoutin, die bei der Suche nach den richtigen Ansprechpartnern unterstützend zur Seite steht. Ich empfehle zudem, Gespräche mit bereits niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zu suchen. Sie können ebenfalls als Ansprechpersonen dienen. Wir niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte stehen heute schon längst nicht mehr in Konkurrenz zueinander. Wir brauchen einander, um der großen Aufgabe weiterhin gerecht werden zu können, die Menschen gut zu versorgen.

7. Hätte Ihnen eine Hospitation(sförderung) damals geholfen? Wenn ja, wie?

Ja. Ich selber habe vor meiner Niederlassung in verschiedenen Praxen gearbeitet und einen Einblick in das Leben und Arbeiten als Hausarzt gewonnen. Es hat mir gezeigt, wie schön der Hausarztberuf ist, und meinen Wunsch, selber Hausarzt zu werden, gefestigt.

8. Möchten Sie Ihre Praxis/ Ihren Arztsitz irgendwann weitergeben?

Gerne würde ich meine Praxis in ein paar Jahren an eine Kollegin oder einen Kollegen weitergeben. Ich möchte aber nicht ad hoc in den Ruhestand gehen und meine Praxis einfach abgeben, sondern meine Patientinnen und Patienten in die Tradition der häuslichen Versorgung vernünftig „übergeben“. Mir schwebt vor, zwischen der „alten“ Hausarztwirklichkeit, die ich verkörpere, und einer „neuen“ Versorgungswirklichkeit einen Übergang zu schaffen. Ich kann mir daher auch verschiedene Niederlassungsformen für den Übergang vorstellen. Dadurch könnte ich die Arzttätigkeit nach und nach an eine neue Kollegin oder einen neuen Kollegen überleiten. Ganz in Absprache könnte ich weiterhin das Praxismanagement übernehmen beziehungsweise dabei unterstützen oder als „personelle Reserve“ zur Verfügung stehen.

9. Was sollte Ihre Nachfolgerin oder Ihr Nachfolger mitbringen?

Die medizinische Qualifikation sowie klinische Weiterbildungszeiten sind natürlich die Basis. Zudem sollte die Bereitschaft, sich neben fachlichen auch vielen menschlichen Herausforderungen zu stellen, sowie Empathie, flexibles Denken und Planen vorhanden sein. Die junge Generation besteht aus Teamplayern, ist kommunikativ. Ich hoffe auch, dass ich mitbringe was junge Ärztinnen und Ärzte brauchen, damit wir eine Zukunft für die Praxis gestalten können.

10. Wie und wo würden Sie nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger suchen? Welche Maßnahmen würden Sie ergreifen/ haben Sie bereits ergriffen?

Meine Praxis gehört zu einer überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft. Mein Kollege in Vorst und ich suchen schon lange nach weiteren Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen. Dieses Interview sowie die Kontaktaufnahme mit der Ärztescoutin des Kreises Viersen sehe ich ebenso als Chance, um auf die Praxis aufmerksam zu machen und Unterstützung zu finden.

11. Würden Sie sich jederzeit wieder für eine Niederlassung als Hausarzt entscheiden? Warum/ Warum nicht?

Ja, ich würde diesen Weg wieder gehen. Hausarztpraxen sind Kleinunternehmen mit bestem Ruf und großer Beliebtheit. Die Arbeit als Hausarzt ist für mich eine Symbiose aus Privatleben und Beruf. Diese Praxis ist mein Leben!

12. Würden Sie weiterhin eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) bevorzugen? Warum/ Warum nicht? Vor-/Nachteile?

Seit etwas mehr als 20 Jahren besteht unsere Berufsausübungsgemeinschaft. Wir hatten bis heute keine Zweifel, keine Probleme und sind gemeinsam erfolgreich. Wir teilen Kompetenzen, halbieren unser Risiko, sind miteinander im Austausch, können uns unterstützen und vertreten. Somit können wir eine bestmögliche Versorgung unserer Patientinnen und Patienten gewährleisten.

13. Wer gehört zur BAG und zu Ihrem Team? Ist die BAG sowie Ihr Team vollständig?

Wir sind zwei Ärzte in zwei Praxen. Zudem entlastet mich eine Hausärztin im Ruhestand. Wir sind ein „Top - Team“! Für dieses Team suchen wir nach weiteren passenden Ärztinnen und Ärzten mit Interesse an einer Teilzeittätigkeit, und der Perspektive auf eine Vollzeitbeschäftigung. Gerne erst in Anstellung, mit der Option auf Übernahme. Wir bieten den Background der Erfahrung und das Vertrauen unserer Patient innen und Patienten durch einen „sanften Übergang“. Wir freuen uns auf Bewerbungen von qualifizierten jungen Ärztinnen und Ärzten. Gerne beraten wir auch und zeigen weitere Chancen auf.

14. Was würden Sie jungen niederlassungswilligen Medizinern oder Medizinerinnen empfehlen?

Werden Sie Hausärztin oder Hausarzt! „Leben Sie“ die ganze Medizin, das ganze Leben! Werden Sie Fachfrau oder Fachmann in „eigener Sache“ und seien Sie mit Ihrer ganzen Kompetenz für ihre Mitmenschen da. Genießen Sie höchstes Sozialprestige und führen Sie ein glückliches berufliches Leben.

Rund um die Niederlassung

Warum Hausarzt werden? Die Antwort sowie aktuelle Informationen zu Niederlassungsmöglichkeiten im Kreis Viersen finden Sie auf arzt-sein-in-nordrhein.de.

Darüber hinaus gibt es hilfreiche Informationen und Beratungsmöglichkeiten:

Weitere Informationen zu Studium, Berufseinstieg und -alltag etc. können Sie auf https://www.lass-dich-nieder.de/ nachlesen.

Sie suchen eine/n Nachfolger/in für Ihre Praxis oder möchten eine Ärztin oder einen Arzt anstellen? Folgende Seiten können Ihnen bei der Suche helfen:

Weiterbildung für Ärztinnen und Ärzte

Sie möchten sich fortbilden oder suchen eine Lehrpraxis im Kreis Viersen?

  • Liste der Universitären Lehrpraxen im Kreis Viersen.
  • Informationen zu aktuellen Fortbildungsangeboten für Ärztinnen und Ärzte bietet die KV Nordrhein.
  • Das Deutsche Netzwerk der Kompetenzzentren in der Weiterbildung (DNKW) bietet überregionale Angebote für eine bessere Weiterbildung an. Für Nordrhein-Westfalen finden Sie Angebote über das Kompetenzzentrum Nordrhein.
  • Informationen rund um das Thema Weiterbildungen finden Sie ebenfalls bei der Ärztekammer Nordrhein.

Leben und Freizeit im Kreis Viersen

Das Angebot an Freizeitmöglichkeiten im Kreis Viersen ist groß – neben Schwimmbädern, Sportanlagen, Golfplätzen und einem Eissportzentrum bieten schöne Altstädte mit denkmalgeschützten Gebäuden, Museen und idyllische Landschaften sowie die gut ausgebauten Rad- und Wanderwege für jeden Geschmack etwas.

Informationen zu idyllischen Naturerlebnisgebieten sowie den gut ausgebauten Rad-und Wanderwegen im Kreis Viersen finden Sie unter "Freizeit". Der Kreis Viersen stellt Ihnen außerdem jeden Monat eine neue Radroute vor, mit der Sie das Kreisgebiet erkunden können.

Kultur im Kreis Viersen

Neben vielfältigen Freizeitangeboten bietet der Kreis Viersen interessante Kunst- und Kulturangebote sowie Bildungsmöglichkeiten an. Hierzu gehören bspw. Musikschulen, Museen, Theater.

Für Familien

Alles Wissenswerte für Familien von Informationen zur Betreuung, über Gesundheitsversorgung bis hin zu Freizeitangeboten speziell für Kinder im Kreis Viersen finden Sie auf der Internetseite des Familienwegweiser Kreis Viersen

Kindertagesstätten (Kitas) und Schulen

Informationen zu Kitas in den jeweiligen Städten und Gemeinden im Kreisgebiet bieten die Internetseiten:

Die Bedarfserfassung für einen Kita-Platz im Kreis Viersen erfolgt über das Portal Kita-Online. Dort finden Sie auch Angaben zu den jeweiligen Kitas.

Der KiTa-Finder bietet Informationen zu den Kindertageseinrichtungen in der Nähe und insgesamt über 10.000 Kitas in Nordrhein-Westfalen.

Eine Übersicht der Schulen im Kreis Viersen finden Sie auf SchulListe.eu.

Wohnen im Kreis Viersen

Auf der Suche nach Baugrund und/oder Immobilien im Kreis Viersen kann Ihnen das Bauamt der jeweiligen Stadt oder Gemeinde weiterhelfen:

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